Unwort des Jahres
Endlich habe ich ihn. Meinen Vorschlag für das "Unwort des Jahres" 2011. Es entstammt offenbar dem beginnenden Sommerloch und hat sicher sowohl hierin als auch der wachsenden Sorge unserer Sicherheitsorgane, die Bevölkerung fühle sich nicht unsicher genug und könne, zwecks Vorbereitung neuer Sicherheitsgesetze und Erhalt einiger bestehender, weitere markige Verunsicherungen gut gebrauchen, seinen Ursprung.
Dennoch hat der Begriff in sehr kurzer Zeit schon so große Bedeutung gewonnen – er ist schon so in aller Munde bzw. Tastaturen -, daß er vielleicht eine echte Chance hat, den Titel zu gewinnen. Immerhin ist er bereits seit dem 23. Oktober 2010 – womöglich bereits davor, archive.org schweigt sich aus, man weiß es nicht? – Gegenstand der Forschung. Zumal gerade auch Usama bin Laden einen Netzzugang haben gehabt haben soll.
Die Rede ist von Cyber Crime oder auch cybercrime.
Gemeint ist offenbar die Bedeutung “Netzstraftaten”. Allerdings weist dieser Begriff mit seinen vierzehn Zeichen in der Tat einen deutlichen Nachteil zu den elf bzw. zehn Zeichen des Vorschlags auf. Er ist viel zu lang. Daher stelle ich mir gerne vor, daß auch Herr Bundesinnenminister anläßlich der Eröffnung des „Cyber-Abwehrzentrums“ jenen gebrauchte. Er ist außerdem so schön modern, so jung, frisch, einfach — englisch.
Es gibt nur einen Wehrmutstropfen, welcher zugleich der Grund für meinen Vorschlag ist.
Der Wortteil „cyber“ leitet sich von cybernetics („The term cybernetics stems from the Greek [griechische Zeichen] ([griechische Zeichen], steersman, governor, pilot, or rudder — the same root as government). Cybernetics is a broad field of study, but the essential goal of cybernetics is to understand and define the functions and processes of systems that have goals and that participate in circular, causal chains that move from action to sensing to comparison with desired goal, and again to action. Studies in cybernetics provide a means for examining the design and function of any system, including social systems such as business management and organizational learning, including for the purpose of making them more efficient and effective.”, Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Cybernetics, Stand: heute, 9 Uhr) – zu deutsch Kybernetik (“Der Ausdruck wurde Mitte des 20. Jahrhunderts aus der englischen (cybernetics „Regelungstechniken“) in die deutsche Sprache eingedeutscht. Der englische Begriff wiederum wurde geprägt nach dem substantivierten griechischen Adjektiv [griechische Zeichen](„steuermännisch“), welches sich aus den entsprechenden Subjektiven [griechische Zeichen] („Steuermann“) und [griechische Zeichen], („Leitung, Herrschaft“) ableitete. Sie werden im Altgriechischen kybernétes bzw. kybérnesis ausgesprochen.", Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kybernetik, Stand: heute, 9 Uhr) – ab.
Nach den beiden Definitionen sind sich die dortigen Autoren über die Bedeutung des von Norbert Wiener erstmals geprägten Begriffs im Wesentlichen einig: Es geht um die interdisziplinäre Wissenschaft und Forschung von Steuerungsprozessen sowohl in der maschinellen als auch der menschlichen Ebene. Folglich geht es um die Steuerung (Regierung) von Menschen und – die englische ist da mit Blick auf das heutige Verständnis (Norbert Wiener sah das noch anders) präziser – allgemein die Effizienzsteigerung.
Daher hätte ich durchaus nichts dagegen, wenn das Cyber-Abwehrzentrum seiner – wortlautgemäßen – Aufgabe nachkäme.
Allerdings wird das wohl nicht auf das Wohlwollen von Herrn Bundesinnenminister treffen.
Der Gebrauch von Sprache verändert — sich.